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Gute Lösungen gemeinsam finden

Wenn Mitarbeitende wegen einer Krankheit oder eines Unfalls längere Zeit ausfallen, stellt dies alle Beteiligten vor grosse Herausforderungen. Gefragt sind Lösungen, die allen weiterhelfen. Das Case Management von ÖKK bietet Unterstützung. Doch wie läuft dieses ab? Und was muss das Unternehmen beitragen? Claudio Vital, Leiter Gesundheitsmanagement von ÖKK, beantwortet in diesem «Dossier» Ihre Fragen.

Muss der Arbeitgeber von sich aus aktiv werden, damit das Case Management angestossen wird?

Nein. Grundsätzlich prüft ÖKK sämtliche Fälle, bei denen voraussichtlich eine längere Arbeitsunfähigkeit resultieren wird, und entscheidet aufgrund einer ersten Analyse, ob ein Case Management sinnvoll ist. Wenn ja, nimmt der Case Manager von sich aus mit dem Arbeitnehmer Kontakt auf. Es kann aber auch vorkommen, dass der Arbeitgeber aus Eigeninitiative den Case Manager von ÖKK kontaktiert. Eine längere voraussichtliche Arbeitsunfähigkeit bedeutet in der Regel eine Absenz von mehr als 30 Tagen.

«Welches Ziel wird mit dem Case Management verfolgt?»

Die frühe Wiedereingliederung ins Berufsleben. Je länger eine Person vom Arbeitsplatz weg bleiben muss, desto schwieriger gestaltet sich der Wiedereinstieg für beide Seiten, für die betroffene Person wie für den Arbeitgeber. Gründe dafür können beispielsweise Unsicherheiten und Ängste sein. Aufgrund langer Kommunikationspausen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer entsteht manchmal Misstrauen. Oft wünschen sich sowohl der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer eine Rückkehr der krankgeschriebenen Person an den angestammten Arbeitsplatz. Der Vorteil eines Case Management für den Arbeitgeber liegt darin, dass er schneller wieder auf das Wissen und Können des Mitarbeiters zugreifen kann und er keinen Aufwand für die Neueinstellung und Einarbeitung eines neuen Mitarbeitenden betreiben muss.

Wie läuft ein Case Management ab?

1. Persönlicher Kontakt.

In einem ersten Schritt nimmt der Case Manager mit dem Mitarbeiter telefonisch Kontakt auf und schildert ihm den Grund für seinen Anruf.

 

2. Situation analysieren.

Ist der Mitarbeiter einverstanden, wird – je nach Wunsch zuhause oder am Arbeitsplatz – die Situation gemeinsam mit dem Case Manager analysiert. Zudem werden gemeinsame Ziele vereinbart.

 

3. Umfassend begleiten.

Es folgt die Erarbeitung von Massnahmen, um die Wiedereingliederung zu beschleunigen. Bei der Umsetzung der Lösungsansätze werden die Beteiligten eng vom Case Management begleitet. Eine wichtige Aufgabe des Case Manager ist es, die zwischen allen beteiligten Personen und Stellen – dazu gehören der Arzt und unter Umständen auch beispielsweise die ALV und IV – zu koordinieren. Der Case Manager bildet oft auch eine Kommunikationsbrücke zwischen diesen Schnittstellen.

 

4. Gesund und arbeitsfähig.

Die Dauer eines Case Management ist sehr individuell und kann zwischen einem einmaligen Assessment bis einer längeren Begleitung über ein Jahr betragen. Ziel ist es, dass der Mitarbeiter seine Arbeit – an seinen gesundheitlichen Zustand angepasst – wieder aufnehmen kann.

«Was zeichnet einen Case Manager von ÖKK aus?»

Es sind sozialkompetente Mitarbeiter, die über Einfühlungsvermögen verfügen und sich bei jedem Fall auf eine neue Ausgangslage einstellen können. Eine Bedienungsanleitung gibt es beim Case Management nicht. Die Case Managers sind in der Lage, Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten und die Beteiligten in ihren Fähigkeiten zu fördern. Zudem verfügen sie selbstverständlich über das nötige Wissen, um die Schnittstellen zwischen Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Ärzten, Sozialämtern usw. professionell zu gestalten.

«Welchen Beitrag muss der Arbeitgeber für ein erfolgreiches Case Management leisten?»

Er muss neben der grundsätzlichen Bereitschaft, den Mitarbeiter wieder zu beschäftigen, auch Offenheit für Lösungen mitbringen. Bei einer stufenweisen Wiedereingliederung kann dies etwa ein therapeutischer Arbeitsversuch sein, bei dem der Mitarbeiter ein paar Stunden pro Tag wieder im Betrieb arbeitet, dies jedoch ohne grossem Druck ausgesetzt zu sein. Mit einem solchen dreimonatigen Arbeitsversuch ist es dem Case Management von ÖKK gelungen, eine Kaderperson eines Unternehmens wieder zu 100 Prozent ihrer vorhergehenden Tätigkeit zuzuführen. Klar ist, dass dies für den Arbeitgeber Aufwand bedeutet, zum Beispiel in Form von Zeit für Zwischengespräche und Reflexion der Situation.

«Empfindet der Mitarbeiter Case Management nicht als Einmischung in seine Privatsphäre?»

Im Gegenteil: Grundsätzlich sind die betroffenen Personen dankbar für die Unterstützung. Eine ablehnende Haltung gegenüber dem Case Management ist selten und liegt im tiefen einstelligen Prozentbereich. Denn für die Betroffenen stellt eine 100- prozentige Arbeitsunfähigkeit eine schwierige Situation dar: Es wird das berufliche Umfeld mit den Arbeitskollegen vermisst und die Tagesstruktur ist nicht mehr gegeben. Sehr oft hört der Case Manager Aussagen wie: «Mir fällt zuhause die Decke auf den Kopf, ich möchte einfach gerne etwas tun.» Mit dem Case Management wird der Kontakt zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer aufrechterhalten. Dies baut Misstrauen und Ängste ab.

«Was ist ein konkretes Beispiel für ein Case Management?»

ÖKK begleitete einen Fall, bei dem ein Aussendienstmitarbeiter dem Termin- und Zahlendruck nicht standhalten konnte und infolge der Überforderung erkrankte. Der Case Manager konnte mit dem Arbeitgeber eine Lösung finden, von welcher alle Beteiligten profitieren: Der Mitarbeiter arbeitet nun im Backoffice und koordiniert die Tätigkeit und den Einsatz der Aussendienstmitarbeiter. Er verfügt über geregelte Arbeitszeiten und über ein fixes Salär. Dies vermittelt der Person Stabilität und Sicherheit. Und das Unternehmen kann weiterhin von seinem langjährigen Fachwissen profitieren. In einem anderen konkreten Fall ist es gelungen, einen Schreiner, der aufgrund körperlicher Beschwerden nicht mehr auf seinem Beruf arbeiten konnte, mit Hilfe der Invalidenversicherung umzuschulen. Der Case Manager war hier somit auch für die sozialversicherungsrechtliche Koordination zuständig.

«Welches sind die häufigsten Fälle, bei denen ein Case Management eingesetzt wird?»

Pro Jahr bearbeitet ÖKK schweizweit rund 800 Case-Management-Fälle. Diese sind ein Abbild der häufigsten Krankheitsbilder wie psychische Diagnosen oder Beschwerden am Bewegungsapparat.