Coronavirus: Wichtige Fragen und Antworten für Unternehmenskunden

Stand: 17. April 2020


Massgebend bleiben die gesetzlichen Bestimmungen und die AVB von ÖKK. Der Bundesrat kann laufend weitere Massnahmen beschliessen. Wir empfehlen Versicherten, sich über die Website des Seco oder dessen Info-Hotline für Unternehmen (von 7.00 bis 20.00 Uhr), Tel. 058 462 00 66, auf dem Laufenden zu halten.

Zahlt ÖKK Krankentaggeld, wenn ein Arbeitnehmer in Quarantäne, aber nicht krank ist?

Die ÖKK Erwerbsausfallversicherung dient der Deckung des Erwerbsausfalls, der durch Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit entstanden ist. Als Krankheit gilt jede Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen und psychischen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalls ist, eine medizinische Untersuchung oder Behandlung erfordert oder eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat.


Sollte eine versicherte Person nicht mit dem Coronavirus infiziert sein und sich in Quarantäne befinden, so ist der Erwerbsausfall nicht über das Krankentaggeld versichert.

Zahlt eine andere Versicherung, wenn Arbeitnehmer in Quarantäne sind?

Sofern keine Möglichkeit für Homeoffice besteht und der Mitarbeiter obligatorisch bei der AHV versichert ist, kann bei der zuständigen Ausgleichskasse eine Entschädigung von maximal 10 Taggeldern beantragt werden. Die Entschädigung ist subsidiär. Das heisst, wenn die anspruchsberechtigte Person bereits Leistungen aus einer anderen Sozial- oder Privatversicherung bezieht oder ihren Lohn weiterhin erhält, hat sie keinen Anspruch auf die Entschädigung.

Erhält eine Person auch Taggeld, wenn sie mit dem Coronavirus infiziert ist, aber noch keine Symptome hat und dementsprechend auch nicht arbeitsunfähig ist?

Hat sich eine Person infiziert, zeigt aber (noch) keine Symptome, stellt sich die Frage, ob sie bspw. von zu Hause arbeiten kann. Je nach Branche und beruflicher Funktion der versicherten Person kann diese Frage unterschiedlich beantwortet werden. Hierbei ist der jeweilige Einzelfall zu prüfen.

Sind Mitarbeitende, die zu Hause arbeiten (verordnetes Homeoffice), normal gegen Unfälle versichert?

Ja.

Darf ich als Arbeitgeber den Mitarbeitern Ferien oder Abbau der Überzeit anordnen?

Die kurzfristige Anordnung von Ferien ist in der aktuellen Lage nicht möglich, obwohl der Arbeitgeber den Zeitpunkt der Ferien im Grundsatz bestimmen darf. Das Unternehmen hat aber auf Wünsche des Mitarbeiters soweit möglich Rücksicht zu nehmen. Die Anordnung für einen Ferienabbau müsste frühzeitig erfolgen, das heisst drei Monate im Voraus.

 

Weiter ist fraglich, ob der Erhohlungszweck der Ferien bei Reiseverbot und Quarantänemassnahmen gegeben ist. Sie können Mitarbeiter deshalb nicht zu Ferien verpflichten, diese jedoch gegebenenfalls gemeinsam mit ihnen vereinbaren. Die Verschiebung von bereits vereinbarten Ferien ist aber nur aus schwerwiegenden Gründen gerechtfertigt.

 

Ein Arbeitnehmer ist verpflichtet, Überstunden zu leisten, sofern diese aufgrund der Umstände gerechtfertigt sind, wenn z. B. andere Arbeitskräfte ausfallen. Die Überstunden müssen aber unter Berücksichtigung der persönlichen Situation des Mitarbeiters möglich und zumutbar sein.

 

Wenn der Arbeitgeber aber Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach Hause schickt, da er gerade keine Verwendung für sie hat, so ist dies eine Dienstfreistellung; das Gehalt muss in diesem Fall bezahlt werden und die Zeit darf nicht vom Urlaub oder den Überstunden abgezogen werden. Allfällige flexible Arbeitszeitmodelle können eine andere Regelung zulassen, was im Einzelfall zu prüfen ist.

Was ist Kurzarbeit?

Als Kurzarbeit bezeichnet man die vorübergehende Reduzierung oder vollständige Schliessung eines Betriebes, wobei der Arbeitsvertrag aufrechterhalten bleibt. Kurzarbeit ist in der Regel wirtschaftlich bedingt. Über einen Fonds der Arbeitslosenversicherung können Unternehmen vorübergehende Lohnausfälle durch die behördlich angeordnete Schliessung oder vom Arbeitgeber nicht zu vertretenden Umstände beantragen. Ziel der Kurzarbeit ist es, Arbeitsplätze zu erhalten und vorübergehende Beschäftigungseinbrüche auszugleichen.

 

Die Wartezeit der Unterstützung wurde bis zum 30. September 2020 ausserordentlich aufgehoben. Sie müssen sich als Unternehmen somit nicht an den Arbeitsausfällen beteiligen. Entschädigt wird 80% des Lohnes.

Wann kann ich Kurzarbeit beantragen?

Kurzarbeit-Entschädigung für die Mitarbeiter kann nur aufgrund einer behördlich angeordneten Schliessung des Betriebs angefordert werden oder wenn die Schliessung aufgrund einer Quarantäne, ausbleibender Kundschaft oder ausbleibender Lieferanten geschieht. Damit ein Arbeitnehmer Anspruch auf Kurzfristenschädigung hat, ist zudem insbesondere Folgendes zu beachten:

  • Das Arbeitsverhältnis darf nicht gekündigt sein.
  • Der Arbeitsausfall ist voraussichtlich vorübergehend und es darf erwartet werden, dass durch Kurzarbeit die Arbeitsplätze erhalten werden können.
  • Die Arbeitszeit ist kontrollierbar.
  • Der Arbeitsausfall macht je Abrechnungsperiode mindestens 10 Prozent der Arbeitsstunden aus.
  • Der Arbeitsausfall wird nicht durch Umstände verursacht, die zum normalen Betriebsrisiko gehören. Ein Arbeitsausfall muss somit in einem adäquaten Kausalzusammenhang mit dem Auftreten des Virus stehen.


Personen, die dem Arbeitsplatz fernbleiben aufgrund persönlicher Verhältnisse wie z.B. einer Erkrankung, Angst oder wegen Familienumständen, haben kein Anrecht auf Kurzarbeit-Entschädigung. Die Kurzarbeit über die Arbeitslosenversicherung zu kompensieren, deckt nicht alle Probleme ab. Für sie und ähnliche Härtefälle hat der Bund einen Sondertopf zur Verfügung gestellt (siehe folgende Erläuterung).

 

Für detaillierte rechtliche Fragen empfiehlt ÖKK das Handbuch des Seco für Betriebe: und die Information über Kurzarbeit-Entschädigung.

Welche Änderungen hat der Bundesrat veranlasst, um die Kurzarbeit auszuweiten und zu vereinfachen?

Die Änderungen sind einschneidend. Selbstständige ohne Mitarbeitende hatten zu Beginn keine Ansprüche auf Kurzarbeit-Entschädigung. Personen, die befristet oder temporär angestellt sind, in einem Lehrverhältnis stehen oder eine arbeitgeberähnliche Anstellung hatten, waren von der Kurzarbeit-Entschädigung ausgenommen. Ab 20. März 2020 gelten folgende neue Regelungen: 

  • Die Kurzarbeit gilt auch für Angestellte in befristeten oder temporären Anstellungsverhältnissen sowie für Lernende. Auch Arbeitnehmende im Stundenlohn haben Anspruch.
  • Eine Entschädigung erhalten auch arbeitgeberähnliche Angestellte, so z.B. der Gesellschafter einer GmbH. Ehegatten, die im Betrieb mitarbeiten, erhalten eine Pauschale von 3’320 Franken als Kurzarbeit-Entschädigung für eine Vollzeitstelle.
  • Neu müssen Arbeitnehmer nicht mehr zuerst ihre Überstunden abbauen, bevor sie von Kurzarbeitsentschädigung profitieren können.
  • Die Frist zur Voranmeldung der Kurzarbeit wurde aufgehoben.
  • Die Bewilligungsdauer für Kurzarbeit wird von 3 auf 6 Monate verlängert.
  • Im Bereich der Abwicklung wird eine massive Vereinfachung angestrebt mittels neuer Bestimmungen. Es soll auch eine Bevorschussung von Lohnzahlungen möglich werden.

 

Die Sondermassnahmen wegen des Coronavirus werden laufend neu beurteilt. Wir verweisen diesbezüglich auch auf die aktuellen Medienmitteilungen des Seco.


Gibt es zusätzliche Massnahmen für die Erwerbsausfälle der Selbstständigerwerbenden?

Ja. Selbstständige erhalten eine Entschädigung, sofern sie nicht bereits eine anderweitige Versicherungsleistung oder Entschädigung erhalten. Eine Entschädigung erfolgt bei einer Schliessung eines selbstständig geführten öffentlich zugänglichen Betriebes, bei ärztlich verordneter Quarantäne oder bei Schulschliessung. Die Regelung kommt auch zum Tragen bei freischaffenden Künstlerinnen und Künstlern, die einen Erwerbsunterbruch erleiden durch die Absage von Anlässen. Um Härtefälle zu vermeiden erfolgt mit dem Entscheid am 16.April 2020 auch eine Entschädigung für Selbständigerwerbende, welche indirekt betroffen sind. Das heisst, für solche, die zwar weiterarbeiten dürfen, aber wegen den Massnahmen weniger oder keine Arbeit haben (z.B. Taxifahrer). Der Anspruch entsteht rückwirkend, frühestens ab dem 17. März 2020, und endet nach zwei Monaten, spätestens aber mit der Aufhebung der Sondermassnahme. Voraussetzung für einen Anspruch der indirekt Betroffenen ist ein AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen zwischen 10'000 - 90'000 Franken. Die Entschädigung wird über die Erwerbsersatzordnung als Taggeld ausgerichtet. Diese entspricht 80% des Einkommens, max. aber 196 Franken pro Tag. Die Taggelder für Selbstständige in Quarantäne sind auf zehn Tage befristet, die der Selbstständigen mit Betreuungsaufgaben sind auf 30 Tage beschränkt. Unrechtmässig bezogene Leistungen können von der Ausgleichskasse zurückgefordert werden. 


Wo kann Kurzarbeit beantragt werden?

Unternehmen können sich an die zuständigen kantonalen Amtsstellen oder an die Arbeitslosenkasse wenden, in demjenigen Kanton, in dem sich der Betrieb oder die Betriebsabteilung befindet. Diese Anlaufstelle gilt auch für die Anträge der Selbstständigerwerbenden. Eine Auflistung der Kontakte finden Sie hier. Für den Antrag auf Kurzarbeit müssen Sie entsprechende Formulare einreichen.

Welche finanzielle Unterstützung gibt es nebst der Kurzarbeit?

Aufgrund der Schliessung von Betrieben haben viele Unternehmen Liquiditätsengpässe. Mit einem Bündel von Massnahmen will der Bund verhindern, dass solvente Unternehmen in Schwierigkeit geraten. Wir empfehlen Ihnen, sich hier über Ihre Branche zu informieren.

 

Der Bundesrat hat zudem beschlossen, dass Firmen im Bereich Berufliche Vorsorge für die Bezahlung der Arbeitnehmerbeiträge vorübergehend die von ihm angehäuften Arbeitgeberbeitragsreserven verwenden dürfen. Diese Massnahme soll es den Arbeitgebern erleichtern, Liquiditätsengpässe zu überbrücken. Weiter hat der Bundesrat am 16. April 2020 eine Verordnung verabschiedet, welche eine befristete Entbindung von der Pflicht zur Überschuldungsanzeige vorsieht sowie die Einführung einer befristeten COVID-19-Stundung. Damit ist eine befristete Stundung von drei Monaten möglich, ohne dass ein Sanierungsplan vorliegen muss. Die Stundung kann um weitere drei Monate verlängert werden.

Coronavirus: Informationen für Unternehmenskunden

Erfahren Sie mehr zu den Massnahmen der BVG-Sammelstiftung Loyalis. Ausserdem beantworten wir die wichtigsten Fragen von Unternehmenskunden zu Kurzarbeit, Quarantäne und mehr.

Coronavirus: Informationen für Privatkunden

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