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Fit fürs Leben

Handstand, Rad und Purzelbaum: für Elisa (9) und Giulia (5) Fabbro aus Monte Carasso TI kein Problem. Doch so selbst- verständlich wie bei den Fabbros ist Sport längst nicht in allen Familien. Wie viel Bewegung braucht ein Kind?


Eins, zwei drei – los! Rechter Arm hoch, linke Hand in den Nacken, Hüften kreisen, zwei Schritte vor, runter in den Spagat, rauf in den Strecksprung, wieder runter in die Brücke. Elisa tanzt durchs Wohnzimmer, ihre jüngere Schwester Giulia versucht mitzuhalten. Das Publikum – die Eltern Marco (42) und Elena (38) Fabbro – applaudiert und lacht.

Immer auf Trab

Stillstehen? Das fällt den Fabbros aus Monte Carasso schwer. Kaum ein Tag, an dem die Velos im Keller bleiben, die Laufschuhe im Schrank, die Sporttaschen in der Waschküche. Die Eltern gehen regelmässig ins Fitnesscenter, Elena joggt zudem, Marco spielt Fussball. Die kleine Giulia startet im September mit Geräteturnen, ihre grosse Schwester Elisa macht seit zwei Jahren jeden Donnerstag in der Turnhalle im Dorf Rhythmica, einen Mix aus Tanz und Gymnastik. An den Wochenenden geht die Familie wandern, in den Ferien entdeckt sie Madrid oder New York – ausschliesslich zu Fuss, nie per Bus, Taxi oder U-Bahn.


«Uns ist wichtig, dass die Kinder Sport treiben», sagt Marco Fabbro. Dabei gehe es ihnen nicht nur um die Fitness ihrer Kinder, sondern auch um den Kontakt zu anderen Kindern. Zudem habe Elisa dank Rhythmica zum Beispiel gelernt, an ihre Grenzen zu kommen und sich durchzubeissen. Elena Fabbro ergänzt: «Ein netter Nebeneffekt des Sports ist, dass die Kinder danach immer wunderbar schlafen.»

Aktiv schon als Kleinkind

Dass Bewegung fürs Wohlbefinden des Menschen wichtig ist, ist allgemein bekannt. Dass Bewegung im Kindesalter ganz besonders wichtig ist, wird dagegen oft unterschätzt. Sportwissenschaftlerin Jana Köpfli von der Stiftung IdéeSport weiss: «Bewegung festigt die kindlichen Knochen, kräftigt die Muskeln und stärkt das Herz-Kreislauf-System; sie macht den Körper robuster für den Alltag und unterstützt die Entwicklung von Motorik und Koordination.» Nicht minder zentral sei Bewegung für das Training sozialer Kompetenzen. «Die physischen und psychischen Grenzen kennenzulernen, mit Erfolg und Niederlage umzugehen, Regeln zu akzeptieren – alle diese Erfahrungen ermöglicht Sport.»

 

Was zählt, ist, dass das Kind möglichst früh in Bewegung kommt – und nicht erst mit dem Turnunterricht ab der ersten Klasse. «In jeder Phase seiner Entwicklung trainiert das Kind bestimmte Kompetenzen. Wer diese Phasen nicht nutzt, muss mit Einschränkungen rechnen, die nicht so einfach wettzumachen sind», so Jana Köpfli. Was können Eltern tun? «Das Kind in seiner Bewegungslust unterstützen, ihm Bewegungsräume bieten – es zum Beispiel auf den Spielplatz oder zu einem Programm von IdéeSport in der offenen Sporthalle begleiten.» Kinder können bereits als Kleinkinder in die alltäglichen Aktivitäten einbezogen werden, ob beim Putzen, Wäscheaufhängen oder Einkaufen.»

Drei Stunden pro Tag

Es gibt ganz konkrete Empfehlungen zum Thema Kinderbewegung: Der Bund empfiehlt für Primarschulkinder eine Stunde Bewegung bei mittlerer oder höherer Intensität, zum Beispiel beim Rollerbladen, Velofahren oder Versteckspielen; für Kinder im Vorschulalter drei Stunden. Doch das ist in manchen Fällen leichter gesagt als getan. Was, wenn sich der Nachwuchs eher zum Stubenhocker denn zum Purzelbaumexperten entwickelt? Wenn das Kind lieber am Computer spielt, als durch den Garten zu rennen?

 

Andreas Krebs vom Institut für Bewegungswissenschaften und Sport an der ETH Zürich sagt: «Die Motivation funktioniert in erster Linie übers Vorleben. Wenn die Eltern alles per Auto erledigen und kaum einen Schritt zu Fuss gehen, können sie nicht erwarten, dass ihr Kind aktiver ist.» Der Bewegungswissenschaftler empfiehlt, dem Kind verschiedene Sportarten vorzustellen. Vielleicht gibt’s im Turnverein nächstens einen Besuchsabend oder im Karateclub einen öffentlichen Wettkampf. Bei der Wahl der Sportart zähle für Kinder ohnehin nicht allein das «Was», sondern ebenso das «Mit wem».

 

So war es auch bei Elisa. An Rhythmica gefallen ihr am allerbesten die poppige Musik – und am zweitbesten die vielen Freundinnen, die mittanzen. Einen Ansporn zum Hingehen braucht Elisa nie, nicht einmal jetzt, wo das Training besonders intensiv ist. Schliesslich findet im Juni eine Vorführung fürs ganze Dorf statt. Elisa: «Ich bin schon gespannt auf mein Show-Kostüm, hoffentlich hat’s ganz viel Glitzer drauf.» Jetzt aber will sie an ihrem Spagat feilen – hinter verschlossener Tür.