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«Allergien lassen sich nicht verhindern»

Blüten, Staub und Katzenhaare: Fast jeder dritte Mensch ist Allergiker. Was können Eltern tun, um ihr Kind gegen Allergien zu wappnen? Prof. Dr. Arthur Helbling, Leiter Allergologie des Inselspitals in Bern, klärt auf.

 

Herr Dr. Helbling, wie können Eltern ihr Kind vor Allergien schützen?

Es gibt keinen kompletten Schutz vor Allergien, weder durch Medikamente noch durch besondere Vorsichtsmassnahmen. Denn Allergien sind vererbbar: Wenn ein Elternteil eine Allergie hat, wird der Nachkomme zu 40 Prozent ebenfalls eine Allergie entwickeln – meist eine ähnliche wie sein Vater oder seine Mutter.

Prävention ist also umsonst?

Wie gesagt, Allergien lassen sich nicht verhindern. Ihr Ausbruch lässt sich aber verzögern. Erste Massnahmen können Eltern schon in der Schwangerschaft und Stillzeit umsetzen. Sie betreffen allerdings nicht – wie oft angenommen – die Ernährung der Mutter. Diese sollte sich in der Schwangerschaft gesund und ausgewogen ernähren und kann auch allergene Lebensmittel zu sich nehmen. Das hat keinen Einfluss auf die Gesundheit des Kindes.

Wenn nicht eine Umstellung der Ernährung der Mutter, was hilft dann?

Die Mutter soll aufs Rauchen verzichten und Passivrauchen meiden, sowohl in der Schwangerschaft als auch in der Stillzeit. Am besten hört also auch der Partner mit dem Rauchen auf.

Und nach der Geburt? Welche Grundsätze gelten bei der Ernährung des Babys?

Im Gegensatz zur Ernährung der Mutter ist die des Babys wesentlich für die Allergieprävention. Es empfiehlt sich zum Beispiel, das Baby nach Möglichkeit vier Monate lang voll zu stillen. Mit Beikost sollte es im fünften Lebensmonat in Kontakt kommen – und nicht erst im sechsten oder noch später, wie lange empfohlen.

Welche Nahrungsmittel wappnen das Kind gegen Allergien?

Zum Beispiel Fisch – wenigstens einmal wöchentlich; dessen Omega-3- Fettsäuren sind wichtig für das Immunsystem. Was gemäss einer neuen Studie aus Israel prophylaktisch gegen Erdnussallergien wirken könnte: Erdnuss fürs Baby in Pulverform, sieben Gramm pro Woche.

Und zum Dessert eine Handvoll Dreck?

Ein bisschen Dreck schadet tatsächlich nicht. Denn Infekte und Wurmerkrankungen haben eine schützende Funktion vor Allergien. Im Allgemeinen kann man sagen, dass eine sterile Umgebung Allergien begünstigt. Besser ist ein traditioneller Lebensstil.

Inwiefern?

Was das Kind am effektivsten auf Allergien vorbereitet, ist ein gestärktes Immunsystem. Darum soll das Kind mit Keimen und Erregern in Kontakt kommen. Was Eltern diesbezüglich tun können: zum Beispiel von Hand statt mit der Maschine abwaschen.

Allergie: Eine Überreaktion des Körpers

Mehr als 20'000 Substanzen können eine überempfindliche Reaktion auslösen. Sie werden Allergene genannt; meist handelt es sich um tierische oder pflanzliche Eiweisse – zum Beispiel in Pollen, Milben oder Nahrungsmitteln. Das Immunsystem von Allergikern reagiert bei Kontakt mit solchen Eiweissen mit einem unverhältnismässigem Grosseinsatz: Es werden selbst jene Abwehreinheiten mobilisiert, die den eigenen Organismus schädigen. Es können Symptome auftreten in den Atemwegen, im Magen-Darm-Trakt oder auf der Haut.


Weitere Informationen und Kontaktadressen erhalten sie beim Allergiezentrum Schweiz.