Wer Chefarzt Dr. med. Jan Vontobel gegenübersitzt, ist meist schon über sein Krankheitsbild informiert: Diagnose «Herz-Kreislauf-Erkrankung». Zu seinen Patient*innen zählen etwa Personen mit einem angeborenen Herzfehler, nach einem Herzinfarkt, Erwachsene und Jugendliche mit Fettleibigkeit oder Raucher*innen. Viele Patient*innen leiden zudem bereits an schwerer Herzinsuffizienz, ein Schwerpunkt der Hochgebirgsklinik Davos.
Die Aufgabe des Kardiologen der Hochgebirgsklinik besteht nicht einzig darin, die Krankheit zu behandeln, sondern Wege aufzuzeigen, wie man trotz Herzproblematik aktiv bleiben kann. Eine dieser Möglichkeiten ist Sport – insbesondere Langlaufen auf der Herzloipe in Davos, eine von mittlerweile 18 Herzloipen in der Schweiz.
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«Als ich meine Stelle in der Klinik vor ein paar Jahren antrat, initiierte ich umgehend die Realisierung einer Herzloipe in Davos»»
Bewegung als Teil der Therapie
Mit aufgeschlossenem Blick, wachen Augen und freundlichem Lächeln sitzt er seinen Patient*innen gegenüber. Direkt an ihrer Seite: Ein scheinbar unüberwindbar grosser Berg voller Arbeit. Beladen mit offenen Fragen, einer grossen Portion Unsicherheit und erdrückender Lustlosigkeit. «Ein wichtiger Aspekt unserer Rehabilitation ist deshalb, Stress abzubauen und Freude zu schenken», sagt er. Deshalb steht Sport ganz oben auf dem Therapieplan. «Als ich meine Stelle in der Klinik vor ein paar Jahren antrat, initiierte ich umgehend die Realisierung einer Herzloipe in Davos».
Die Herzloipe Davos: Sicher und anfängerfreundlich
Die Herzloipen entstanden in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Herzstiftung. Die Strecken sind einfach, übersichtlich und ohne grosse Steigungen, perfekt für Einsteiger*innen oder Menschen mit eingeschränkter Kondition.
Dr. med. Vontobel ist selbst oft auf der Loipe in Davos anzutreffen und weiss, wie gesund der Langlaufsport ist. Aus diesem Antrieb heraus meldete er sich vor über fünf Jahren bei der Schweizerischen Herzstiftung und bewirkte in einem einfachen Verfahren, dass Davos zu einer Herzloipe kam. «Für mich war die Initiierung der Herzloipe ein wichtiges Anliegen, weil sie wichtig für meine Patient*innen ist».
Die Kombination aus Bewegung, Sonneneinstrahlung und Naturkulisse verstärkt die positiven Effekte des Trainings: «Das Aufbautraining in den Innenräumen der Klinik sei unabdingbar. Unser Körper reagiert jedoch nicht nur auf die körperliche Betätigung, sondern auch auf das visuelle und ganzheitliche Landschaftsbild», sagt Vontobel. Nach dem Konditionsaufbau gehe es deshalb so bald wie möglich nach draussen. «Unsere Patient*innen stehen nicht alleine da, wir erklimmen den Berg gemeinsam».
Das Personal vom Langlaufzentrum ist zudem für Notfälle in Reanimation mit dem Defibrillator geschult, Ärzt*innen und Rettungssanitäter*innen sind schnell vor Ort.
Herzloipen in der Schweiz
Die Schweiz bietet bereits 18 Herzloipen an, auf denen ein sanftes Langlauftraining möglich ist. Aktuelle Informationen über die Standorte, zu den Langlaufzentren und den Zustand der Loipen sind auf der Seite von Loipen Schweiz zu finden.
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«Wer sich gesund ernähren will, kocht seine Mahlzeit selbst.»
Gesunde Lebensweise: Bewegung und Ernährung
Neben Bewegungsmangel tragen Bluthochdruck, gestörte Cholesterinwerte, Rauchen und ungesunde sowie mangelhafte Ernährung zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei.
«Aufgrund der Diagnose erhalten meine Patient*innen eine neue Sichtweise auf ihr Leben», erzählt Vontobel. Die Entwöhnung von ungesunden Gewohnheiten sei eine Herausforderung: «Erkrankungen gilt es zu therapieren und zu heilen oder zumindest zu stoppen». Es ginge dabei auch um den präventiven Gedanken ‹gar nicht erst herzkrank werden›. Personen, die von einer familiären Vorerkrankung oder angeborenen Anomalie betroffen seien, könnten diese nicht präventiv verhindern, jedoch mit einem gesunden Lebensstil positiv beeinflussen.
Auch das Umfeld spielt eine wichtige Rolle: Denn auch dieses müsse mit der Situation umgehen und sich womöglich an das neue Leben anpassen. Sei dies als Motivator zum Sport oder die Akzeptanz der Umstellung vom Menüplan am Familientisch: «Die Angehörigen werden als Unterstützende bei der Therapie im Alltag miteinbezogen».
Die Hochgebirgsklinik Davos
Manche Herzerkrankungen lassen sich mit kleinen Anpassungen gut in den Alltag integrieren, andere hingegen erfordern eine vollständige Neuausrichtung des Lebens – oft eine Aufgabe, die Betroffene ein Leben lang begleitet. Die Hochgebirgsklinik Davos begleitet Patient*innen auf ihrem Weg zur Heilung oder dem Umgang mit der Krankheit. Die Klinik ist in mehreren Fachbereichen als Rehazentrum für Kinder und Erwachsene bekannt.
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«Langlauf: nicht nur ein ergiebiger Sport für den Körper, sondern auch für unsere Psyche.»
Von unsportlich zu sportlich aktiv
«Wir zeigen unseren Patient*innen, wie Bewegung gut tut – auch bei schwerer Erkrankung – und stellen für sie einen Trainingsplan zusammen». Ziel des Trainings sei, die Personen während der Reha für die positiven Auswirkungen von Sport zu sensibilisieren, sodass sie diesen nach Entlassung nachhaltig weiterbetreiben. Langlauf sei der ideale Sport für ein dosiertes und ganzheitliches Training über die Wintermonate. Im Vordergrund stehe dabei die klassische Technik. Gerade für ältere Leute und schwer erkrankte Patient*innen sei es die ideale Möglichkeit, sich gelenk- und pulsschonend zu bewegen.
Anhand der Herzloipe zeigen Vontobel und sein Team den Patient*innen auf, dass noch sehr viel möglich sei und nehmen ihnen damit die Angst vor dem Sport. Vontobel macht es glücklich zu sehen, dass er mit dem Langlauftraining Personen ermutigen kann, auf längere Sicht Sport zu treiben.
Schöne Momente der Zusammenarbeit
Jedes Jahr organisiert die Kardiologie der Hochgebirgsklinik ein Treffen für ehemalige Patient*innen und deren Ärzt*innen auf der Loipe. «Wenn Patient*innen auf der Herzloipe stehen und zusammen mit ihren ehemaligen Ärzt*innen Langlaufen, haben wir definitiv etwas richtig gemacht. Dieser Anblick ist bewegend», sagt Vontobel strahlend. Das fördere nicht nur den Kontakt zwischen den Menschen, es sei auch der Moment, in dem die Patient*innen etwas zurückgeben können. «In diesen Augenblicken bin ich besonders stolz auf meine ehemaligen Patient*innen. Es zeigt mir, dass sie sich und ihre Möglichkeiten nicht aufgegeben haben und noch immer oben auf dem Berg stehen», sagt Vontobel abschliessend.

Dr. med. J. Vontobel
Dr. med. J. Vontobel ist ärztlicher Direktor und Chefarzt Kardiologie an der Hochgebirgsklinik Davos. Nach seinem Medizinstudium an den Universitäten Zürich und Lausanne sowie der Duke University (USA) war Vontobel in verschiedenen medizinischen Fachbereichen tätig. Er spezialisierte sich auf dem Gebiet Allgemeine Innere Medizin mit Schwerpunkt Herzinsuffizienz.





