Wer hätte das gedacht?!

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett stecken voller Überraschungen – erst recht, wenn das Glück im Doppelpack unterwegs ist. Tagebuchnotizen von ÖKK Kundin Stéphanie Hüsler aus Ipsach BE.

24. Februar 2021

Mon dieu! Ist mir übel!

27. Februar 2021

Der Test hat bestätigt: Yves und ich werden nochmals Eltern. Matthis, unser Eineinhalbjähriger, bekommt ein Geschwisterchen. Wie unglaublich schön und zugleich etwas beängstigend.

9. März 2021

Gestern haben Yves und ich nach dem Abendessen geplaudert. Plötzlich fielen mir die Augen zu. Um 18 Uhr, am Tisch!

15. März 2021

Übelkeit und Müdigkeit – tausendfach krasser als während meiner Schwangerschaft mit Matthis. Ich könnte wetten, da wachsen mindestens zwei Babys in meinem Bauch heran.

Stéphanie (37) und Yves (49) Hüsler mit Matthis (2,5) und den zwei Monate alten Zwillingen Juliette (rechts) und Estelle.
Stéphanie (37) und Yves (49) Hüsler mit Matthis (2,5) und den zwei Monate alten Zwillingen Juliette (rechts) und Estelle.

22. März 2021

Heute die erste Kontrolle bei der Gynäkologin. Sie zeigte mir im Ultraschall das Baby. Ich freute mich, war insgeheim aber etwas enttäuscht. Wo war das zweite Kind? Da, plötzlich tauchte es auf dem Monitor auf. Wusste ich’s doch: Zwillinge! Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu grinsen vor Glück.

1. Mai 2021

Heute habe ich erstmals die beiden Mädchen gespürt – ja, Matthis bekommt Schwestern!

1. September 2021

Juhui! Beide Mädchen liegen perfekt für eine Spontangeburt. Je natürlicher, desto besser – das gilt für mich allgemein im Leben und natürlich auch für die Geburt meiner Kinder.

9. September 2021

Heute hiess es: Adieu, Arbeitskolleginnen und -kollegen. Bis in acht Monaten!

14. September 2021

Ich bin traurig. Eines der Mädchen hat sich gedreht und liegt jetzt in Steisslage. Die Gynäkologin empfiehlt einen Kaiserschnitt.

1. Oktober 2021

Yves und ich haben viel geredet – miteinander, mit Spezialistinnen und Spezialisten, mit Hebammen. Schliesslich musste ich einsehen, dass eine Spontangeburt für die Babys und mich zu riskant wäre. Mein Herz weint.

Wer hat Hunger, wer ist müde, und wer möchte spielen? Manchmal wünscht sich Stéphanie Hüsler, vier Hände mehr zu haben.
Wer hat Hunger, wer ist müde, und wer möchte spielen? Manchmal wünscht sich Stéphanie Hüsler, vier Hände mehr zu haben.

6. Oktober 2021

Die Geburt wird nicht so sein, wie ich sie mir vorgestellt habe. Dies zu akzeptieren, fällt mir schwer. Der Kaiserschnitt ist am 12. Oktober.

12. Oktober 2021, Morgen

Heute kommen unsere Zwillinge zur Welt. Ich hadere noch immer mit dem Kaiserschnitt.

12. Oktober 2021, Nachmittag

Sie sind da! Estelle und Juliette, unsere Mädchen. Nach 30 Minuten im Operationssaal lagen sie um 11 Uhr beide auf meiner Brust. Sie sind wohlauf,
und das ist alles, was zählt.

13. Oktober 2021

Ich bin im Hoch und kann unsere Babys so richtig geniessen. Das Team der Wochenbettabteilung ist herzlich und kompetent. Auch Yves unterstützt mich, wo er nur kann. Er ist bei den Mädchen und mir, auch über Nacht. Was für ein Privileg! Wenn nur die Sehnsucht nach Matthis, der bei den Grosseltern ist, nicht so stark wäre.

14. Oktober 2021, Morgen

Kaum geschlafen. Die Mädchen kamen nur zur Ruhe, wenn sie bei Yves oder mir auf der Brust lagen. Wie kleine Kätzchen.

14. Oktober 2021, Abend

Erfahre gerade mit voller Wucht, was es bedeutet, zwei Neugeborene und eine schmerzende Wunde zu haben. Autsch!

16. Oktober 2021, Morgen

Schlimmster Morgen seit der Geburt. Yves ist bei meinen Eltern, um Matthis für einen ersten Besuch bei uns abzuholen. Ich vermisse meinen Jungen unglaublich fest. Ausserdem fürchte ich mich vor morgen, wenn mein Spitalaustritt ansteht. Wie soll ich das daheim nur schaffen?

16. Oktober 2021, Abend

Heute sah Matthis zum ersten Mal seine Schwestern. Er kam mit einer Rose zur Zimmertür rein, und eine Welle aus Freude, Trauer und allen anderen erdenklichen Gefühlen brach über mich herein. Ich weinte, weinte, weinte.

Das Bahnnetz von Matthis ist voller Weichen, Barrieren, Brücken und Tunnel – genauso wie das richtige Leben.
Das Bahnnetz von Matthis ist voller Weichen, Barrieren, Brücken und Tunnel – genauso wie das richtige Leben.

17. Oktober 2021

Heute gehen wir nach Hause. Ich habe mich trotz meiner Schmerzen so entschieden, weil ich bei Matthis sein möchte.

19. Oktober 2021

Es läuft ziemlich gut. Yves hat noch zwei Wochen Vaterschaftsurlaub und kümmert sich vor allem um Matthis, der entzückt ist von seinen Schwestern. Yves’ Mutter und meine Eltern sind, sooft sie können, bei uns. Wir haben also viel Unterstützung – und trotzdem plagt mich latent das Gefühl, zu wenig Zeit für jedes einzelne Kind zu haben.

22. Oktober 2021

Heute schmiss Matthis einen Teller vom Tisch. Mir wurde bewusst: Für ihn hat sich in den letzten zehn Tagen ebenso viel verändert wie für Yves und mich.

30. Oktober 2021

Zum Glück sind wir dank Matthis in der Babypflege geübt. Die Intensität mit zwei Neugeborenen ist allerdings eine andere. Besonders hart sind die Nächte. Stillen, wickeln, stillen. Am Morgen bin ich gerädert.

2. November 2021

Ich leide unter Nachwirkungen des Kaiserschnitts und muss meinen Körper noch immer schonen. Das spürt vor allem Matthis, der am liebsten von früh bis spät getragen werden möchte. Das muss ich Yves überlassen. Es tut mir so leid.

10. November 2021

Ich funktioniere. Manchmal geniesse ich sogar.

23. November 2021

Endlich. Sechs Wochen sind seit der Geburt ergangen. Ab heute darf ich wieder schwere Lasten tragen und mich uneingeschränkt bewegen. Matthis, Mami ist zurück!

30. November 2021

Manchmal gestehen mir andere Mütter: «Wenn mir selbst alles über den Kopf wächst, denke ich einfach an dich und deine Arbeit mit den Zwillingen.» Ich lächle dann, möchte aber lieber erwidern: Denkt gerne an mich, nur bitte nicht mitleidig. Denn ich bin nicht nur so müde, sondern auch so glücklich wie nie zuvor in meinem Leben!

Podcast mit dem Bündner Spitzenchirurgen Martin Meuli

Als einer der weltweit ersten Chirurgen schnitt er im Kinderspital Zürich den Bauch einer schwangeren Frau auf und operierte ein ungeborenes Kind erfolgreich an seinem offenen Rücken. Was hat Martin Meuli zu diesen medizinischen Spitzenleistungen getrieben? Welche Rolle spielte dabei seine Frau? Und was für emotionale Geschichten hat er während seiner Ärzte-Karriere erlebt? Diese und viele weitere Fragen beantwortet Martin Meuli in der neuesten Folge von Allegra mit Moderator Fabio Nay.