So stärken Sie Ihren Darm

Ein gesunder Darm beeinflusst weit mehr als die Verdauung. Gastroenterologe Lucas Werth zeigt, warum und wie Sie im Alltag Ihren Darm unterstützen können.

Der Darm steuert die Immunabwehr, den Energiehaushalt und sogar die Stimmung. Gastroenterologe Lucas Werth erklärt im Allegra-Podcast, warum kleine Alltagsgewohnheiten einen grossen Unterschied machen und wie wir den Darm langfristig stärken können.

Die Aufgabe des Darms bei der Verdauung

Der Magen-Darm-Trakt beginnt im Mund. Er führt über die Speiseröhre in den Magen und danach weiter in den Dünn- und Dickdarm bis zum Enddarm. Jeder Abschnitt erfüllt eine wichtige Aufgabe:

  • Magen: zerkleinert Nahrung und startet die Proteinverdauung
  • Dünndarm (4–6 m lang): nimmt Kohlenhydrate, Fette, Proteine, Vitamine und Mineralstoffe auf
  • Dickdarm: nimmt Wasser auf und fermentiert Ballaststoff mithilfe von Bakterien; bildet dabei kurzkettige Fettsäuren, die die Darmzellen mit Energie versorgen.

Das Mikrobiom lebt überwiegend im Dickdarm. Es besteht aus Milliarden Bakterien, Viren und Pilzen, die die Verdauung unterstützen, das Immunsystem trainieren und sogar Einfluss auf die mentale Gesundheit haben können.

Darm, Immunsystem und Nervensystem: eine enge Verbindung

Der Darm ist das grösste Immunorgan des Körpers – und ein echtes Multitalent. Die Darmwand besteht aus mehreren Schichten: Bakterienschicht, Schleimhaut und Darmzellen. Darunter liegt das Immunsystem.

Ein gesunder Darm kann unterscheiden, was «körpereigen» oder «körperfremd» ist, also ob etwas nützlich oder potenziell schädlich ist. So verhindert er unnötige Entzündungen. Lucas Werth erklärt: «Wenn die Darmbarriere geschwächt ist, etwa durch Alkohol oder ungesunde Ernährung, kann das Mikrobiom unerwünschte Signale ans Immunsystem senden. Ein dichter Darm schützt uns vor vielen Erkrankungen.»
Gleichzeitig ist der Darm eng mit dem Nervensystem verbunden. Oft spricht man vom «Bauchhirn», weil im Darm ein eigenes Nervensystem sitzt, das ständig Signale verarbeitet. Über Verbindungen wie etwa den Vagusnerv steht der Darm im direkten Austausch mit dem Gehirn. Deshalb wirkt sich Stress schnell auf die Verdauung aus – und umgekehrt kann ein gesunder Darm unsere Stimmung positiv beeinflussen. So zeigt sich: Was im Darm passiert, betrifft nicht nur die Verdauung, sondern den ganzen Menschen.

Jetzt in den Podcast reinhören und mehr Tipps für einen gesunden Darm erfahren:

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«Ernährung ist der grösste Hebel, den wir täglich selbst in der Hand haben.»

Lucas Werth, Gastroenterologe

Fünf Tipps für einen gesunden Darm

Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Beeren – idealerweise bei jeder Mahlzeit.

Resistente Stärke bildet sich z. B., wenn gekochte Kartoffeln über Nacht abkühlen. Sie nährt die Darmbakterien und unterstützt die Verdauung.

Tofu, Hüttenkäse, Eier, Magerquark oder Pouletbrust sind gute Optionen. Rotes Fleisch maximal einmal pro Woche. Gepökeltes möglichst selten.

Fermentierte Lebensmittel (z. B. Sauerkraut, Kimchi, Tempeh, Miso) oder spezielle Getränke (z. B. Kombucha, Kefir) unterstützen ein gesundes Mikrobiom.

Alkohol schwächt die Darmbarriere und verändert die Bakterienzusammensetzung. Besser sind Wasser oder ungesüsster Tee.

Darmregeneration fördern

Neben der Ernährung – die der wichtigste Hebel für die Darmgesundheit ist – helfen auch weitere Faktoren den Darm und dessen Regeneration zu unterstützen: regelmässige Mahlzeiten, Bewegung, ausreichend Schlaf und moderates Intervallfasten (12–14 Stunden).

Regelmässiges Fasten oder Extremkuren wie Saftfasten sind laut Lucas Werth nicht nötig und eher kontraproduktiv, besonders für Frauen im gebärfähigen Alter.

Häufige Darmprobleme

Der Darm sorgt aber auch bei vielen Menschen für Beschwerden. Die Ursachen dafür sind vielfältig und individuell. Dazu zählen unter anderem:

  • Reizdarmsyndrom,
  • entzündliche Darmerkrankungen,
  • Zöliakie,
  • Lebensmittelunverträglichkeiten,
  • Infektionen,
  • bakterielle Fehlbesiedlungen des Dünndarms.

Neben der Behandlung bestehender Beschwerden, sind auch Darmkrebsprävention und Vorsorge für die Darmgesundheit relevant. Screening-Methoden wie der immunologische Stuhltest oder die Darmspiegelung erkennen Polypen und frühe Krebsstadien, bevor Symptome auftreten.

Darmkrebsprävention: Das übernimmt die Grundversicherung

Die Grundversicherung (KVG) übernimmt die Darmkrebsvorsorge für Frauen und Männer im Alter von 50 bis 74 Jahren. Dazu gehören alle zwei Jahre ein Stuhltest auf Blutspuren inklusive Laboranalyse oder alle zehn Jahre eine Darmspiegelung. Erfolgt die Untersuchung im Rahmen eines kantonalen Früherkennungsprogramms und auf ärztliche Empfehlung, wird keine Franchise erhoben (der gesetzliche Selbstbehalt von 10 % bleibt). Erfolgt die Untersuchung ausserhalb eines solchen Programms, gelten die üblichen Kostenbeteiligungen.

Fazit

Darmgesundheit beruht auf einer intakten Schleimhautbarriere, einem vielfältigen Mikrobiom und einem gut regulierten Immunsystem. Entscheidend dafür sind vor allem ballaststoffreiche, pflanzenbetonte Ernährung, Bewegung und ein schonender Umgang mit Medikamenten, Suchtmitteln und Stress. Schon kleine Gewohnheiten im Alltag können langfristig einen grossen Unterschied machen.

Lucas Werth

Dr. med. Lucas Werth ist Facharzt für Gastroenterologie sowie für Allgemeine Innere Medizin FMH. Er verfügt über eine breite klinische Ausbildung in Chirurgie, Innerer Medizin und Gastroenterologie an verschiedenen Schweizer Spitälern. Heute arbeitet er in der GastroPraxis Chur AG und engagiert sich für die Förderung der Darmkrebsvorsorge in Graubünden.