Stella Kizildag ist keine Frau von Beschönigungen. Fröhlich und gleichzeitig mit schonungsloser Selbstreflexion erzählt die 30-jährige Marketing-Managerin, die sich auch als Curvy Model und Body-Positivity-Influencerin in Szene setzt, von einem Leben geprägt von Hungergefühlen und ihren jahrelangen Bemühungen, endlich schlank zu werden. Auf dem Weg zu diesem Ziel hat sie sich mehrmals komplett verloren. Heute wünscht sich Stella zwar immer noch, sie würde etwas weniger wiegen, gleichzeitig mag sie sich selbst mehr denn je.
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«Ich war zu keiner Zeit in meinem Leben schlank.»
Schon bei den Arztkontrollen als Mädchen wurde Stella vermittelt, dass sie zu dick sei. Dabei bewegte sie sich viel und ging fünfmal pro Woche ins Ballett. Auch zu Hause spielte eine ausgewogene Ernährung eine wichtige Rolle.
An die Zeit im Ballett erinnert sie sich gut. Schwieriger als das Tanzen selbst war oft alles rundherum: passende Kostüme finden, Kommentare aushalten und nicht dem gängigen Bild einer Tänzerin zu entsprechen.
Der Wunsch abzunehmen
Als Jugendliche verglich sich Stella lange kaum mit anderen. Das änderte sich mit dem Beginn ihrer Lehre. Social Media gewann an Bedeutung, Freundinnen hatten erste Beziehungen und trugen Kleider, die ihr nicht passten. Das Gewicht rückte zunehmend in den Mittelpunkt.
Es folgten Abnehm-Shakes, Saftkuren, Diäten und intensive Trainingsprogramme. Später kamen medizinische Abklärungen dazu. Die Hoffnung: endlich eine Ursache finden, die behandelbar ist. Doch weder Schilddrüse, Hormonspiegel noch Blutzucker lieferten eine klare Erklärung. Rückblickend sagt sie:
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«Das Essen war mein Feind.»
Schlank, aber nicht glücklich
Eine Ernährungsberatung führte zunächst zum Erfolg. Stella nahm stark ab, erreichte rund 75 Kilogramm Körpergewicht und trug Kleidergrösse 38. Doch die ersehnte Zufriedenheit blieb aus. Der Preis war hoch: strikte Essenspläne, tägliches Vorkochen, fünf Trainingseinheiten pro Woche und vor allem ein permanentes Hungergefühl.
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«Ich hatte Hunger, die ganze Zeit hatte ich Hunger.»
Je mehr sie abnahm, desto kritischer wurde ihr Blick auf den eigenen Körper. Statt sich freier zu fühlen, zog sie sich zurück und richtete ihr Leben immer stärker nach Ernährung und Gewicht aus.
«Zu keiner Zeit entwickelte ich eine Essstörung, aber ich hatte definitiv ein gestörtes Verhältnis dazu», denkt Stella zurück.
Ein neuer Blick auf Ernährung
Der Wendepunkt kam, als Stella eine Ausbildung zum Ernährungscoach absolvierte. Sie wollte die Zusammenhänge besser verstehen und eigene Antworten finden. Statt strenge Regeln zu befolgen, lernte sie, wieder stärker auf ihren Körper zu hören und intuitiver zu essen. Das Gewicht stieg zwar etwas an, gleichzeitig gewann sie Lebensqualität zurück. Stella sagt: «Ich war schwerer, aber mein Leben dafür unbeschwerter.»
Vom Curvy Model zur Body-Positivity-Botschafterin
Während der Corona-Pandemie wagte Stella einen Schritt, den sie lange nicht für möglich gehalten hätte. Sie meldete sich bei «Switzerland's Next Topmodel» an und wurde als Curvy Model Teil der Sendung. Die positiven Reaktionen überraschten sie. Erstmals erhielt sie viel Zuspruch für ihren Körper. Die Erfahrung stärkte ihr Selbstvertrauen und half ihr, offener mit dem Thema Übergewicht umzugehen. Gleichzeitig beobachtet sie, wie sich gesellschaftliche Schönheitsideale laufend verändern.
Für Stella steht heute ein anderer Gedanke im Vordergrund: Akzeptanz bedeutet nicht Gleichgültigkeit gegenüber der eigenen Gesundheit.
Erfahrungen mit Abnehmspritzen
Wie viele Betroffene probierte auch Stella verschiedene Medikamente zur Gewichtsreduktion aus. Weniger Hunger zu verspüren empfand sie zunächst als Erleichterung. Die Nebenwirkungen machten ihr jedoch stark zu schaffen: «Mit den Spritzen war mir dauernd schlecht, der Blutdruck im Keller, ich hatte keine Energie für Sport. Was soll daran gesund sein?»
Heute sieht sie Abnehmspritzen differenziert. Sie können Menschen unterstützen, sind für sie aber kein Wundermittel.
Gesundheit statt Perfektion
Inzwischen beschäftigt Stella ihr Gewicht noch immer, aber nicht mehr ausschliesslich. Sie schwimmt, tanzt, achtet auf ihre Ernährung und investiert viel Zeit in ihre berufliche Entwicklung.
Ihr Arzt sprach inzwischen sogar einen Magenbypass an. Für Stella kommt ein solcher Eingriff derzeit jedoch nicht infrage. Stattdessen setzt sie auf psychologische Unterstützung, Bewegung und einen Lebensstil, der langfristig zu ihr passt.
Heute beschreibt sie ihren Weg weniger als Kampf gegen die Waage, sondern als Suche nach einem gesunden Umgang mit sich selbst. «Unter dem Strich ist meine Gesundheit das Wichtigste, was ich erhalten möchte.»
Ihre Geschichte zeigt, dass Übergewicht oft komplexer ist, als viele Menschen annehmen. Und dass Selbstakzeptanz und Gesundheitsbewusstsein kein Widerspruch sein müssen.
Das gesamte Interview mit Stella können Sie im Kundenmagazin aviva nachlesen.








