Diabetes verstehen und vorbeugen

In der Schweiz leiden rund 525'000 Personen an Diabetes. Fachberaterin Daniela Küpfer erklärt, welche Formen es gibt und wie man der Krankheit mit einfachen Routinen vorbeugen kann.

Was ist Diabetes?

Diabetes mellitus ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, die sich durch einen erhöhten Blutzuckerspiegel äussert. «Betroffen sind mehr Männer als Frauen», erklärt Daniela Küpfer im Allegra-Podcast. Sie ist Diabetesfachberaterin an der Klinik Hirslanden in Zürich.

Das Grundproblem bei einer Diabeteserkrankung ist das Insulin. «Insulin ist ein Hormon der Bauchspeicheldrüse, das den Blutzuckerspiegel senkt, indem es Zucker aus dem Blut in die Körperzellen transportiert», erklärt Daniela Küpfer. «Das Insulin ist wie ein Schlüssel, der die Zellen aufschliesst und den Zucker hineinlässt.»

Dabei gibt es unterschiedliche Typen von Diabetes: Typ 1, Typ 2 und Typ 3.

Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört. Das bedeutet, dass der Körper kein Insulin mehr produzieren kann. Menschen mit Diabetes Typ 1 müssen deshalb lebenslang Insulin spritzen. Eine Heilung gibt es derzeit nicht, aber Hilfsmittel wie Insulinpumpen und Blutzuckersensoren können den Alltag erleichtern. Typ 1 tritt häufiger bei Kindern und jungen Erwachsenen auf, kann aber Personen in jedem Lebensalter treffen.

Typ 2 ist häufig genetisch bedingt und wird durch ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel und Übergewicht begünstigt. Der Körper produziert zwar Insulin, kann es jedoch nicht mehr richtig in den Zellen verwerten, was zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel führt. «Im Gegensatz zu Typ 1 hat man bei Typ 2 viel selbst in der Hand», so Daniela Küpfer. Sowohl präventiv als auch nach der Diagnose lässt sich mit einem gesunden Lebensstil viel bewirken.

Typ 3 umfasst verschiedene Formen von Diabetes, die weder zu Typ 1 noch zu Typ 2 gehören. Dazu zählt beispielsweise ein Diabetes, der durch Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse – etwa Krebs – ausgelöst wird. Auch ein vorübergehender Diabetes, der durch blutzuckererhöhende Medikamente wie Kortison entsteht, fällt unter Typ 3.

Eine vorübergehende Diabeteserkrankung kann zudem während einer Schwangerschaft auftreten. Rund zehn Prozent der schwangeren Frauen entwickeln einen sogenannten Schwangerschaftsdiabetes.

Am meisten verbreitet ist Diabetes Typ 2. Erste Symptome dieses Typs können beispielsweise Durst, häufiges Wasserlassen oder Müdigkeit sein. Da die Krankheit oft schleichend verläuft, können Bluttests vorzeitig Klarheit bringen. Je früher Diabetes erkannt wird, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten. «Im Schnitt dauert es jedoch sieben Jahre, bis Betroffene erste körperliche Symptome bemerken».

Diabetes vorbeugen

Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Gemüse, Proteinen und gesunden Kohlenhydraten ist ein zentraler Bestandteil der Prävention. Ein bewährter Tipp ist der sogenannte «Glukosetrick». Er hilft, starke Blutzuckeranstiege zu vermeiden, indem man auf die Reihenfolge und Kombination der Lebensmittel achtet: «Ein Salat vor der Mahlzeit sorgt dafür, dass Magen und Darm die nachfolgenden Kohlenhydrate langsamer verarbeiten. Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel weniger stark an», erklärt Daniela Küpfer.

Ausreichend Schlaf und regelmässige Bewegung sind ebenfalls entscheidend. «Bewegung hilft, dass der Körper Zucker auch ohne Insulin in die Zellen transportieren kann.» Besonders wirksam ist Bewegung im Alltag: «Treppensteigen oder eine Busstation früher aussteigen sind einfache und gut umsetzbare Tipps.»

Diabetes behandeln

Diabeteserkrankungen werden grundsätzlich mit Medikamenten behandelt. Beim Diabetes Typ 2 besteht – im Gegensatz zu Typ 1 – die Möglichkeit einer Remission, also einer deutlichen Verbesserung bis hin zum Verschwinden der Erkrankung. «Vor allem zu Beginn der Krankheit hat man gute Chancen», sagt Daniela Küpfer. «Mit Gewichtsverlust und dem Aufbau von Muskelmasse kann man erreichen, dass das eigene Insulin wieder besser wirkt – das erfordert jedoch viel Willen und Geduld.»