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Meine Brille und ich

Immer mehr Schweizer brauchen eine Brille. Was ist der Grund für die Zunahme? Und wie lebt es sich mit einer Brille?

Das krasseste Erlebnis mit seiner Brille hatte Martin Blum, als sie ihm einmal abhandengekommen war. Auf der Heimreise vom Jungwachtlager schaute der damals Zehnjährige aus dem offenen Fenster des Zuges, und schwupps blies ihm der Fahrtwind die Brille von der Nase. Von da an war es vorbei mit der schönen Aussicht. Bei der Ankunft in Luzern erkannte der kurzsichtige Bub kaum seine Eltern, die überdies wenig erfreut waren über den Verlust des teuren Stücks.

 

Martin Blum   Brille Martin Blum

 


Vom Lesestein zur Brille
Unvorstellbar, dass Fehlsichtigkeit früher für viele Menschen normal war – es gab schlichtweg keine Sehhilfen. Das ist verständlich, denn die Erkenntnisse der Optik sind relativ jung. Erst vor etwa 1000 Jahren veröffentlichte der arabische Gelehrte Alhazen in seinem Werk «Schatz der Optik» die bahnbrechende Idee einer geschliffenen Linse, mit deren Hilfe Sehschwächen zu korrigieren seien. Westeuropäische Mönche übersetzten das Werk ins Lateinische und fertigten erstmals «Lesesteine» an: plankonvexe Linsen, die auf einer Seite gewölbt waren und die man auf Schriften legen konnte, um diese zu vergrössern. Diese Linsen wurden meist aus dem Mineral Beryll geschliffen, wovon sich später der Name «Brille» ableitete. Allerdings dauerte es bis zum 18. Jahrhundert, bis eine Brille im heutigen Sinne – mit zwei seitlichen Bügeln als Halterungen – erfunden wurde. War die Brille bis ins 20. Jahrhundert hinein ein Luxusgut, ist sie heute zumindest in wohlhabenden Ländern wie der Schweiz eine Selbstverständlichkeit. Fast drei von vier Schweizern besitzen eine Brille mit Korrekturgläsern, für die im Durchschnitt über 600 Franken berappt werden müssen – meist aus der eigenen Tasche, da die Grundversicherung seit 2011 für Erwachsene keine Kosten für Sehhilfen mehr übernimmt. Nur wer eine passende Zusatzversicherung hat, kann mit einer Kostenbeteiligung seitens der Krankenversicherung rechnen.

 

Warum sehen wir immer schlechter?
Die Verbreitung der Brille hat ihren Preis: Über 1,2 Milliarden Franken geben die Schweizer jährlich für Brillen und Kontaktlinsen aus – Tendenz steigend, denn die Zahl der Menschen in der Schweiz mit Sehschwäche nimmt zu: Gemäss einer Studie von Publitest tragen heute 21 Prozent mehr Menschen eine Sehhilfe als 1985. Teilweise geht diese Zunahme auf den demografischen Wandel, auf die Alterung der Gesellschaft zurück, doch auch bei jungen Menschen nimmt die Verbreitung von Sehhilfen zu. Gingen vor 20 Jahren noch 68 Prozent aller 14- bis 25-Jährigen ohne Sehhilfe durchs Leben,  sind es heute nur noch 41 Prozent. Ursache dafür könnte sein, dass wir vermehrt im Nahbereich sehen: Ständig starren wir bei oft ungenügenden Lichtverhältnissen in Handys, Computer- und TV-Bildschirme und gönnen unseren Augen kaum noch Entspannung. Studien aus Asien, wo die Menschen besonders intensiv digitale Medien konsumieren, sind alarmierend: 84 Prozent der  taiwanesischen Kinder sind kurzsichtig, etwa 90 Prozent der chinesischen Studierenden tragen eine Brille. Kein Wunder sind beschichtete Brillen, welche die Augen vor dem anstrengenden blauen Licht von Displays schützen, im Trend (siehe Interview rechts). Was einer drohenden Kurzsichtigkeit noch effektiver vorbeugen soll: der Blick in die Ferne. Dieser ergibt sich vor allem draussen in der Natur, aber auch im Büroalltag kann es für die Augen entspannend sein, den Blick zwischendurch in die Weite schweifen zu lassen.


Brillen machen Leute
Tatsache ist aber auch: Kurzsichtigkeit ist vererbbar. So hat Martin Blum seine Kurzsichtigkeit wohl von seiner Mutter geerbt. Mit vier Jahren bekam er seine erste Brille; er besitzt sie noch als Erinnerungsstück. Im Vergleich zur Brille, die er heute trägt, wirkt das Kindermodell von 1974 wie ein kleiner Panzer mit Gläsern dick wie Flaschenböden. «Brillen-Johnny» nannten ihn die anderen Kinder früher, wenn sie ihn ärgern wollten. Auch Martin Blums Söhne brauchten als Kinder eine Brille, gehänselt wurden sie jedoch kaum. Brillen sind heute ein Modeaccessoire. Rund 3’000 Brillenfassungen sind auf dem Schweizer Markt zu haben – für jeden das passende Modell. Als junger Mann mit wilden Ideen kaufte sich Martin Blum 1991 eine achteckige Brille mit einer Fassung so bunt wie Konfetti. «Ich bin Fasnächtler», erklärt der Stadtluzerner, «das passte». Heute ist er zwar immer noch Fasnächtler, aber auch Unternehmensleiter einer Stadtluzerner Immobilienfirma. «In unserer Branche zählen Vertrauen und Seriosität.  Meine dezente Brille sollte diese Eigenschaften reflektieren», sagt er.

 

Eine Brille, die nie beschlägt
Kein Auto, keine Uhr, kein Paar Schuhe ist Martin Blum so wichtig wie seine Brille. «Sie ist Teil meiner Identität», sagt er. Deshalb waren auch Kontaktlinsen nie wirklich ein Thema für ihn. Und schon gar nicht hat er je eine Augenoperation erwogen, da es bei dieser immer das Restrisiko gebe,  die Hornhaut irreversibel zu verletzen. «Meine Augen sind nicht perfekt, aber es sind meine Augen, und ich habe nur zwei davon», sagt der zweifache Vater. Nur etwas würde er sich wünschen:  Brillengläser, die nie beschlagen. «Hinter der Fasnachtsmaske wird es so feucht, dass die Brille beschlägt und ich kaum noch den Bruder Fritschi, die Hauptfigur unserer Zunft, erkenne.»

 

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